Die Nachricht schlägt in der Community ein wie eine versteckte Klinge: Ein ambitionierter Assassin’s Creed Multiplayer, der intern unter dem Codenamen “Project League” entwickelt wurde, wird niemals das Licht der Welt erblicken. Während Ubisoft offiziell alle Ressourcen bündelt, um Assassin’s Creed Shadows nach der Verschiebung in den bestmöglichen Zustand zu versetzen, fliegen hinter den Kulissen anscheinend Projekte aus der Pipeline, die nicht mehr in die aktuelle Strategie passen. Bei Project League handelte es sich laut aktuellen Berichten um ein eigenständiges Koop-Erlebnis, das in einem fiktiven Indien-Setting angesiedelt war. Die Idee klang auf dem Papier verlockend: Vier Spieler sollten gemeinsam als Assassinen taktische Raubzüge und Attentate planen – ein Konzept, das viele Fans seit den Tagen von Assassin’s Creed Unity schmerzlich vermissen. Doch anstatt diese Lücke endlich zu füllen, hat die Führungsetage in Paris nun offenbar den Stecker gezogen, bevor das Spiel überhaupt offiziell angekündigt wurde.
Dass ein Assassin’s Creed Multiplayer eingestellt wird, ist besonders bitter, wenn man sich die aktuelle Lage des Publishers ansieht. Ubisoft kämpft mit sinkenden Aktienkursen und dem Druck, wieder echte Hits abzuliefern. Project League wurde angeblich von Ubisoft Montpellier entwickelt, dem Studio hinter dem gefeierten Prince of Persia: The Lost Crown. Dass ausgerechnet dieses Team abgezogen wurde, lässt tief blicken. Es wirkt fast so, als wolle man bei Assassin’s Creed kein Risiko mehr eingehen und sich nur noch auf die Projekte konzentrieren, die eine garantierte Rendite versprechen. Für uns Spieler bedeutet das, dass der Traum von einem modernen, kooperativen Meuchelmörder-Abenteuer vorerst wieder in weite Ferne rückt. Zwar wissen wir, dass mit Assassin’s Creed Invictus immer noch ein dedizierter Multiplayer-Part in Arbeit ist, doch dieser soll sich Gerüchten zufolge eher an kompetitiven Formaten wie Fall Guys orientieren – ein krasser Gegensatz zu dem atmosphärischen Koop-Ansatz, den Project League wohl verfolgt hätte.
Der Fokus liegt nun voll auf Assassin’s Creed Shadows und dessen geplantem Koop-Modus, der jedoch erst nach dem Release per Update nachgereicht werden soll. Ob dieser Modus die Tiefe eines eigenständigen Titels wie Project League erreichen kann, darf bezweifelt werden. Am Ende bleibt das Gefühl, dass Ubisoft eine große Chance vertan hat, die Serie abseits der riesigen Open-World-Formel sinnvoll zu erweitern. Ein Assassin’s Creed Multiplayer im Indien-Setting hätte frischen Wind in das Franchise bringen können, doch stattdessen regiert die Vorsicht. Wir müssen uns also weiterhin mit der Hoffnung begnügen, dass Invictus oder die kommenden Updates für Shadows den Durst nach gemeinsamen Attentaten stillen können. Bis dahin bleibt Project League leider nur eine weitere Fußnote in der langen Liste der eingestellten Ubisoft-Projekte, die wir vermutlich nie zu Gesicht bekommen werden.


