Dass Bloodborne auf PS5 weit mehr leisten könnte als die ursprüngliche Fassung auf der PlayStation 4, ist unter Fans ein offenes Geheimnis. Doch während die Community seit Jahren auf ein offizielles Update oder gar ein Remaster wartet, beweist nun eine neue Modifikation der Modderin Christina, wie viel Potenzial Sony Interactive Entertainment und FromSoftware bisher sträflich ignorieren. Die technischen Analysen der Experten von Digital Foundry zeigen ungeschönt auf, was mit minimalem Eingriff möglich wäre, wenn man der Hardware freie Hand ließe.
Das Kernproblem liegt in der Art und Weise, wie die PlayStation 5 mit Abwärtskompatibilität umgeht. Die Konsole drosselt CPU- und GPU-Takt sowie den RAM-Zugriff bei PS4-Titeln, um eine nahezu identische Erfahrung wie auf der alten Hardware zu simulieren. Durch das gezielte Ansteuern der maximalen Frequenzen und die Nutzung zusätzlicher 4GB RAM auf einer modifizierten, exploitfähigen Konsole konnte Bloodborne von seinen historischen Fesseln befreit werden. Die Resultate sind beachtlich: native 4K-Auflösung bei stabilen 30 FPS, komplett frei von den berüchtigten Frame-Pacing-Problemen des Originals.
Wer die Auflösung auf 1440p senkt und 120Hz VRR aktiviert, erreicht sogar Werte, die deutlich über 60 FPS liegen. In actionreichen Momenten, in denen die volumetrischen Effekte die GPU fordern, sinkt die Bildrate zwar, bleibt aber stets oberhalb der 48-FPS-Marke, womit sie perfekt im VRR-Fenster der Konsole landet. Bei einer Reduzierung auf 1080p erreicht der Titel sogar die 100-FPS-Marke. Angesichts dieser Zahlen wirkt die Untätigkeit seitens Sony fast schon wie eine bewusste Entscheidung gegen die Wünsche der Spieler.
Bloodborne kann auf der PlayStation 5 bei nativer 4K-Auflösung und hoher Bildrate laufen, ohne dass ein Eingriff der Entwickler erforderlich wäre.
— Digital Foundry, Technik-Analyse
Der Verzicht auf offizielle Patches wirkt in diesem Kontext geradezu absurd. Während die Branche ständig über “Next-Gen”-Erlebnisse spricht, wird ein absolutes Meisterwerk des Genres durch künstliche Software-Limitierungen in der letzten Generation gefangen gehalten. Wenn einfache Community-Mods via RAM-Boost und Takt-Optimierung Ergebnisse liefern, die einem Remaster nahekommen, stellt sich die Frage nach der Prioritätensetzung. Die Modifikation beinhaltet zudem Optimierungen bei der globalen Beleuchtung und entfernt die störende chromatische Aberration, was das visuelle Gesamtbild massiv aufwertet.
Da sich der aktuelle Konsolenzyklus dem Ende zuneigt, ist kaum zu erwarten, dass Sony noch signifikante System-Level-Verbesserungen für ältere Titel implementiert. Der bittere Beigeschmack bleibt jedoch: Wenn die PlayStation 6 auf den Markt kommt, wird sich zeigen müssen, ob Sony aus den Versäumnissen rund um Bloodborne auf PS5 gelernt hat. Werden wir bei der nächsten Hardware-Generation erneut nur eine simple, unoptimierte Abwärtskompatibilität sehen, oder ist man bereit, die rohe Power der Konsole auch für Klassiker sinnvoll nutzbar zu machen?


