Die Integration von Call of Duty Game Pass-Titeln in Microsofts Abonnement-Modell war als strategischer Geniestreich geplant, um Abonnentenzahlen massiv nach oben zu treiben. Doch nach der Akquisition von Activision Blizzard zeigen sich nun erste, tiefe Risse im Gebälk. Wie der Branchen-Insider Jez Corden unlängst in seinem Podcast verlauten ließ, spielt Microsoft ernsthaft mit dem Gedanken, zukünftige Ableger der Shooter-Reihe wieder aus dem Game Pass Ultimate-Tier zu entfernen. Ein Schritt, der nicht nur für Spieler überraschend käme, sondern das gesamte finanzielle Fundament des Abos infrage stellt.
Die ökonomische Logik hinter dieser Überlegung ist ebenso komplex wie problematisch. Microsoft nutzt ein internes „Member Weighted“-Modell, um Einnahmen aus dem Game Pass an die eigenen Entwicklerstudios wie Treyarch oder Raven Software rückzuvergüten. Das Problem: Ein Schwergewicht wie Call of Duty „staubsaugt“ dabei einen derart massiven Teil des Umsatzes auf, dass für die kontinuierliche Content-Pipeline, die zur Vermeidung von Churn-Raten – also der Kündigung durch Nutzer – zwingend erforderlich ist, kaum noch Kapital übrig bleibt. Kurz gesagt: Der Gigant kann sich durch seine eigene Präsenz kaum noch refinanzieren.
Gleichzeitig schwächt das Modell das Produkt selbst. Wer 70 Euro für einen Titel sparen kann, weil er ihn via Abo erhält, nimmt die Marke anders wahr, was wiederum die Verkaufszahlen außerhalb des Ökosystems kannibalisiert. Dass Microsoft im Oktober letzten Jahres die Preise für Game Pass Ultimate um 50 % anhob, war explizit mit der Integration solcher Blockbuster begründet. Sollte Call of Duty Game Pass verlassen, müsste ein massiver Preisnachlass folgen, will Microsoft die Glaubwürdigkeit bei den zahlenden Kunden nicht vollständig verspielen.
Währenddessen verdichten sich die Anzeichen für eine Umstrukturierung der Abo-Stufen. Dataminer Red PHX hat Hinweise auf die Projektnamen „Triton“ und „Duet“ entdeckt, zwei neue Tier-Strukturen, die sich auf reine First-Party-Titel konzentrieren könnten – eine Art „Game Pass Light“. Dass man hier über Titel wie Doom Eternal, Fable Anniversary oder Halo 5 nachdenkt, wirkt im Kontext der aktuellen Krisenstimmung wie ein verzweifelter Versuch, den Abonnenten-Schwund zu kompensieren. Ob die Strategie aufgeht, hängt jedoch davon ab, ob man den Spielern den Wertverlust eines entfernten Call of Duty überhaupt schmackhaft machen kann – oder ob hier schlicht ein strategisches Kartenhaus in sich zusammenfällt, das man anfangs mit viel zu viel Marketing-Optimismus errichtet hat.


