Vor einigen Jahren kündigte der französische Entwickler Spiders die Fortsetzung seines erfolgreichen Rollenspiels GreedFall an, das 2019 veröffentlicht wurde. Diese Fortsetzung trägt den Titel GreedFall 2: The Dying World. Damals plante das Studio eine Veröffentlichung im Jahr 2024. Nach einer kürzlich stattgefundenen Medienpräsentation wurde bestätigt, dass das Spiel diesen Sommer in den Early Access starten wird, während die vollständige Version irgendwann im Jahr 2025 erscheinen soll.
Im Gegensatz zur ursprünglichen Ankündigung wird GreedFall 2: The Dying World kein Prequel sein. Die Ereignisse des Spiels verlaufen parallel zur Handlung des ersten Teils. Die grundlegende Prämisse bleibt jedoch erhalten: Anstatt von Gacane zur Insel Teer Fradee zu reisen, unternehmen die Spieler nun die entgegengesetzte Reise zum alten Kontinent, allerdings nicht aus eigenem Antrieb. Diese Perspektive eines Außenstehenden, der ein unbekanntes Land erkundet, bleibt somit bestehen.
Die Hauptfigur des Spiels ist ein sogenannter Doneigad, ein frisch ernannter Weiser. Während der von mir gespielten Version war keine Charakteranpassung möglich, diese wird jedoch später im Early Access verfügbar sein. Das ultimative Ziel des Doneigad ist es, seine Freiheit zurückzugewinnen. Darüber hinaus deutete Spiders ein größeres Ziel an: Das Stoppen einer wahnsinnigen Mission, die den gesamten Kontinent Gacane zerstören könnte.
Erkunden einer barocken Welt
In GreedFall 2: The Dying World werden die Spieler verschiedene Regionen von Gacane erkunden, die von der europäischen Barockzeit inspiriert sind. Bekannte Fraktionen aus dem ersten Spiel werden ebenso auftauchen wie einige neue, die nicht Teil der Expedition der Brückenallianz nach Teer Fradee waren. Diese neue Welt wird durch eine detaillierte und atmosphärische Gestaltung zum Leben erweckt, die die Spieler in die faszinierende Ästhetik des Barockzeitalters eintauchen lässt.
Early Access: Ein mutiger Schritt
GreedFall 2: The Dying World ist das erste Spiel von Spiders, das im Early Access veröffentlicht wird. Der Entwickler nannte mehrere Gründe für diese Entscheidung. Zum einen möchte das Studio Feedback von seiner großen Community einholen – der erste Teil verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Zum anderen ist der Nachfolger deutlich umfangreicher und benötigt daher mehr Zeit, um vollständig ausgereift zu werden. Zudem arbeitet das Studio noch an der Verbesserung des Einstiegs und des Kampfsystems.
Umfang und Inhalt des Early Access
Rund 30% des vollständigen Spiels werden voraussichtlich im Early Access verfügbar sein, mit weiteren Regionen, Begleitern, Features, Builds und Talenten, die nach und nach durch Updates hinzugefügt werden. Insgesamt plant das Team etwa 60 Stunden Spielzeit für die vollständige Veröffentlichung. Diese iterative Entwicklung ermöglicht es den Entwicklern, auf das Feedback der Spieler einzugehen und das Spiel kontinuierlich zu verbessern.
Die Reise beginnt auf Teer Fradee
GreedFall 2: The Dying World beginnt auf Teer Fradee, wo die Hauptfigur noch als „Vriden Gerr“ (Wurzelloser) gilt und kurz vor dem Initiationsritual steht, um ein Doneigad zu werden. Mitglieder der Brückenallianz sind bereits auf der Insel angekommen, und einige Einheimische beschuldigen sie, das Land zu vergiften. Unter den feindseligsten Einheimischen gegenüber den „Eindringlingen“ ist Nilan, einer der Begleiter, während der andere Begleiter, Sheda, ein potenzielles romantisches Interesse für die Hauptfigur darstellt.
Technische Details und grafische Verbesserungen
Die von mir gespielte Version war noch unvollständig im Vergleich zu der, die im Early Access veröffentlicht wird. Einige Gespräche hatten keine Sprachausgabe, während in anderen Fällen die Gesichtsanimationen nur Platzhalter waren. Trotz dieser Einschränkungen machte das Spiel einen guten Eindruck. Es läuft weiterhin auf der eigenen Silk Engine des Studios, wobei deutliche Verbesserungen, insbesondere bei der Beleuchtung, erkennbar sind. Die Performance war erwartungsgemäß nicht perfekt, was bei einer frühen Version zu erwarten ist. Auf dem PC ist bereits NVIDIA DLSS integriert, was für flüssigere Bildraten sorgt.
Ein neues Kampfsystem
Die größte Veränderung ist zweifellos das neue Kampfsystem. Spiders hat schon immer Action-RPGs entwickelt, angefangen mit Bound by Flame, The Technomancer und GreedFall. Bisher konnte man sich in Echtzeit bewegen, parieren, ausweichen usw. In GreedFall 2 wird nun ein taktischeres System eingeführt. Alles läuft weiterhin in Echtzeit ab, aber man kann jederzeit pausieren, um die Kontrolle über einen Begleiter zu übernehmen und Befehle zu erteilen. Ein Kampflogbuch verfolgt alle Ereignisse auf dem Schlachtfeld. Auf der einen Seite ist dies für diejenigen interessant, die strategisch spielen möchten. Andererseits bedeutet dies, dass das Action-Element komplett wegfällt. Die Charaktere greifen nun automatisch an, es sei denn, man gibt ihnen Befehle für spezielle Fähigkeiten, was ständiges Mikromanagement erfordert, zumindest bei höheren Schwierigkeitsgraden. Man kann bis zu drei Fähigkeiten für jeden Charakter in einem einzigen Befehl anreihen.
Vergleich mit Dragon Age
Diese Änderung wird nicht jedem gefallen. Es ist bemerkenswert, dass die Entwickler das Kampfsystem trotz des Erfolgs des ersten Teils so stark verändern. Interessanterweise geht BioWares Dragon Age in die entgegengesetzte Richtung: Während das erste Spiel der Serie, Origins, taktische Kämpfe hatte, wurden die folgenden Teile zunehmend actionorientierter. In The Veilguard wurde die direkte Kontrolle über die Begleiter sogar komplett entfernt, obwohl man weiterhin den Kampf pausieren und Befehle erteilen kann.
GreedFall 2: The Dying World wechselt hingegen von reiner Action zu einem langsamen, taktischen System. Fans von Dragon Age, die sich eine Rückkehr zu den Ursprüngen wünschen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Für mich persönlich ist diese Änderung nicht besonders erfreulich, aber ich freue mich auf die neue Geschichte in einer der einzigartigsten Fantasy-Welten der letzten Jahre. Es gibt auch neue Ergänzungen wie einen neuen Tracking-Vision-Modus, der Umwelthinweise beim Durchsuchen eines Gebiets hervorhebt, und sicherlich viele weitere, die ich in den kurzen zwei Stunden, die ich das Spiel gespielt habe, nicht entdecken konnte.
Es bleibt spannend zu sehen, wie Spiders das Feedback der Community umsetzt und das Spiel weiterentwickelt. Fans des ersten Teils und neue Spieler können sich auf ein reichhaltiges und tiefgründiges Rollenspielerlebnis freuen, das die Stärken des Originals aufgreift und mit neuen Ideen und Mechaniken erweitert.


