Es ist eines dieser Projekte, die in Hollywood-Kreisen fast schon als verflucht galten. Seit Jahren wabern Gerüchte durch die Branche, Solid Snake könnte den Sprung von der Konsole auf die große Leinwand wagen. Wer erinnert sich nicht an die Meldungen, dass Oscar Isaac bereits als grimmiger Superspion besetzt worden sei? Doch bisher verliefen alle Versuche im Sande. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen, und zwar aus einer Richtung, die Fans des gepflegten Grusels aufhorchen lassen dürfte: Das Duo Zach Lipovsky und Adam B. Stein, bekannt für ihre Arbeit an Final Destination, wurde von Sony Pictures unter Vertrag genommen, um das ikonische Metal Gear Solid Universum zu adaptieren.
Die Verpflichtung der beiden Filmemacher ist Teil eines größeren Deals mit Sony, bei dem Lipovsky und Stein künftig mehrere Projekte für das Studio umsetzen sollen. Die Erwartungshaltung ist natürlich gigantisch. Schließlich sprechen wir hier nicht von irgendeinem beliebigen Franchise, sondern von dem Spiel, das die cineastische Inszenierung in Videospielen nachhaltig revolutioniert hat. In einer ersten Stellungnahme zeigten sich die Regisseure sichtlich beeindruckt von der Vorlage: Metal Gear Solid sei ein „bahnbrechendes, filmisches Meisterwerk“ gewesen. Sie fühlen sich geehrt, die Welt von Hideo Kojima zum Leben erwecken zu dürfen. Dabei legen sie den Fokus, wie es sich für die Regisseure von Final Destination gehört, vor allem auf visuelle Wucht und das Spiel mit der Spannung – beides Kernelemente, die ein Metal Gear Film zwingend benötigt, um nicht an der Last der Erwartungen zu scheitern.
Interessanterweise glänzt ein Name bisher durch seine Abwesenheit in den offiziellen Verlautbarungen: Hideo Kojima. Dass der Schöpfer der Serie nicht explizit als Beteiligter genannt wurde, dürfte bei der treuen Fanbasis für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Kojimas Handschrift ist so untrennbar mit dem Schicksal von Snake, Ocelot und Big Boss verbunden, dass eine Adaption ohne seinen Segen oder gar seine direkte kreative Kontrolle als riskantes Unterfangen gilt. Produziert wird der Streifen von dem bekannten Vater-Sohn-Duo Avi und Ari Arad, was zumindest darauf hindeutet, dass Sony das Projekt mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und dem nötigen Budget verfolgt. Doch ob der Geist der Vorlage ohne Kojima eingefangen werden kann, bleibt die wohl spannendste Frage der kommenden Monate.
Wir befinden uns derzeit in einem goldenen Zeitalter der Videospiel-Adaptionen. Nach dem Erfolg von The Last of Us oder Fallout sind die Zeiten vorbei, in denen man bei jeder Ankündigung einer Spieleverfilmung sofort das Schlimmste befürchten musste. Dennoch bleibt Metal Gear Solid eine ganz eigene Hausnummer. Die komplexe, oft philosophisch überladene Story rund um politische Verschwörungen, gentechnische Experimente und nukleare Abschreckung bietet so viel Stoff, dass ein einzelner Film kaum ausreichen wird, um die Tiefe der Vorlage auszuloten. Ob Sony hier versucht, ein neues, großes Franchise zu etablieren, oder ob wir es mit einem in sich geschlossenen Blockbuster zu tun bekommen, ist noch völlig unklar. Aktuelle Werbebilder deuten zwar stark auf eine Adaption des ersten Teils hin, doch wie wir wissen, sind Konzepte in der Vorproduktion so beständig wie ein Tarnanzug im Schneesturm. Es bleibt spannend zu beobachten, ob dieses Duo aus der Horror-Ecke es schafft, dem taktischen Spionage-Epos seinen Stempel aufzudrücken, ohne die Seele der Serie zu opfern.


