InZoi, entwickelt vom renommierten südkoreanischen Studio Krafton – bekannt durch den Erfolg von PUBG – feiert seit dem 28. März 2025 seinen Early Access auf Steam. Mit Ambitionen, die Lebenssimulation neu zu definieren und sogar als ernsthafter Konkurrent zu Die Sims aufzutreten, beeindruckt das Spiel durch fotorealistische Grafik, eine weitläufige offene Welt und einige innovative Mechaniken. Doch wie bei einem Rohdiamanten, der noch geschliffen werden muss, zeigen sich trotz vieler Glanzlichter auch deutliche Schwächen. Nach intensiver Spielzeit folgt hier eine detaillierte Analyse der Vorzüge und Mängel von InZoi.

Visuelle Brillanz und technische Herausforderungen
InZoi hebt die visuelle Darstellung von Lebenssimulationen auf ein völlig neues Level und setzt damit neue Maßstäbe im Genre. Dank der modernen Unreal Engine 5 glänzt das Spiel mit einer nahezu fotorealistischen Grafik, die sowohl in Bewegung als auch in ruhigen Momenten beeindruckt. Charaktermodelle sind äußerst detailliert gestaltet – von feinsten Hautstrukturen über realistische Gesichtsausdrücke bis hin zu fließenden Bewegungen, die fast schon filmreif wirken. Auch die Umgebungen sind ein echter Hingucker: Gebäude, Straßen, Pflanzen und sogar kleinste Objekte wie Möbelstücke oder Alltagsgegenstände sind mit einer Liebe zum Detail umgesetzt, die man so bisher nur selten gesehen hat. Besonders auffällig sind auch die realistischen Texturen von Materialien wie Stoff, Glas oder Wasser, die sich je nach Lichteinfall und Bewegung unterschiedlich verhalten – ein Effekt, der dem Spielerlebnis eine erstaunliche Tiefe verleiht.
Die Spielwelt selbst ist offen gestaltet und nimmt den Spieler mit auf eine Reise durch mehrere stilistisch unterschiedliche, aber ebenso beeindruckende Schauplätze. Darunter findet sich beispielsweise Dowon, eine Metropole mit klaren Anleihen an die moderne Urbanität von Seoul. Bliss Bay hingegen erinnert mit seiner weitläufigen Küstenstadt-Atmosphäre an Los Angeles, während Cahaya eine exotisch angehauchte, tropische Inselwelt darstellt, die sich an indonesischen Reisezielen orientiert. Jede dieser Regionen bietet dynamische Lichtverhältnisse und wetterabhängige Effekte, die sich auf das gesamte Umfeld auswirken. Wenn etwa am Abend die Sonne langsam untergeht, färbt sich der Himmel in kräftigem Orange und Gold, während das Licht durch Hochhausfassaden bricht und lange Schatten wirft. Regenschauer wiederum lassen Pfützen entstehen, die realistische Spiegelungen erzeugen und den Asphalt glänzen lassen – ein Anblick, der an moderne Kinoproduktionen erinnert.
Im direkten Vergleich mit Die Sims, das traditionell eher auf einen charmant-cartoonhaften Stil setzt, wirkt InZoi wie ein technisches Kunstwerk. Es bietet eine beeindruckende audiovisuelle Immersion, die für viele Spieler einen regelrechten Wow-Effekt erzeugen dürfte – vorausgesetzt, das eigene System bringt genug Leistung mit.
Denn hier liegt auch die größte Herausforderung: Die atemberaubende Grafik hat ihren Preis. Um InZoi in seiner vollen Pracht genießen zu können, ist eine leistungsstarke Hardware Grundvoraussetzung. Entwickler empfehlen mindestens eine NVIDIA GeForce RTX 3060 oder vergleichbare Grafikkarte, dazu mindestens 16 GB Arbeitsspeicher sowie eine schnelle NVMe-SSD, um Ladezeiten in akzeptablen Bereichen zu halten. Wer auf älteren oder nur mittelklassigen Systemen spielt, muss mit deutlichen Einschränkungen rechnen – angefangen bei reduzierter Grafikqualität und längeren Ladezeiten bis hin zu spürbaren Rucklern im Spielverlauf.
Diese hohen Anforderungen wirken sich direkt auf die Zugänglichkeit des Spiels aus. Während Die Sims seit jeher dafür bekannt ist, auch auf älteren Laptops oder Einsteiger-PCs lauffähig zu sein und damit ein breites Publikum anspricht, richtet sich InZoi klar an Nutzer mit Gaming-Hardware auf dem neuesten Stand. Das könnte für viele Spieler zur Einstiegshürde werden – gleichzeitig unterstreicht es aber auch den technischen Anspruch, mit dem InZoi antritt: eine Lebenssimulation, die nicht nur inhaltlich, sondern vor allem visuell neue Maßstäbe setzen möchte.

Innovatives Gameplay versus alltägliche Routine
InZoi bringt mit einer Vielzahl innovativer Gameplay-Elemente frischen Wind in das Genre der Lebenssimulationen. Besonders hervorzuheben ist das ausgeklügelte Karma-System, das weit über einfache „gut oder böse“-Entscheidungen hinausgeht. Jede Handlung – sei es ein ehrliches Kompliment, ein aktives Zuhören in einem Gespräch oder auch ein alberner Streich wie „Furzen und Weggehen“ – hinterlässt Spuren im sozialen Gefüge. Die daraus resultierenden Konsequenzen können langfristige Auswirkungen auf Freundschaften, Feindschaften oder sogar berufliche Entwicklungen haben. Dieses System sorgt dafür, dass keine Interaktion bedeutungslos bleibt und selbst kleine Gesten das Verhalten der Mitmenschen nachhaltig beeinflussen können.
Eine weitere Stärke des Spiels liegt in der enormen Vielfalt an Charaktereigenschaften. Mehr als 300 individuell kombinierbare Merkmale bestimmen, wie sich Figuren in bestimmten Situationen verhalten – sei es impulsiv, schüchtern, kreativ oder temperamentvoll. Dadurch entsteht eine dynamische, schwer vorhersehbare Spielwelt, in der Begegnungen mit anderen Bewohnern stets unvorhersehbar und lebendig bleiben. Keine Persönlichkeit gleicht der anderen, was für ein hohes Maß an Wiederspielwert sorgt.
Ein echtes Highlight ist zudem die manuelle Steuerung von Fahrzeugen, die das Erkunden der Welt nicht nur atmosphärischer, sondern auch aktiver gestaltet. Statt sich passiv von A nach B teleportieren zu lassen, können Spieler selbst ans Steuer und durch verschiedene Stadtteile cruisen – sei es im hektischen Berufsverkehr auf staubigen Hauptstraßen oder bei einem gemütlichen Roadtrip ins Grüne. Diese neue Form der Mobilität fügt dem Genre eine immersive Ebene hinzu, wie man sie bisher kaum gesehen hat.
Ergänzt wird das Gameplay durch ein ungewöhnlich tiefes Verwaltungsfeature: Die Möglichkeit, die Stadtverwaltung zu übernehmen. Hier kann man weitreichende Entscheidungen treffen, die das Leben aller Bewohner beeinflussen – etwa durch die Regulierung des Wetters, das Ergreifen von Maßnahmen gegen Kriminalität oder sogar das Management der lokalen Tierwelt, inklusive der Katzenpopulation. Dieses Feature verleiht dem Spieler nicht nur mehr Kontrolle, sondern auch das Gefühl, wirklich Einfluss auf das große Ganze zu haben.
Trotz dieser frischen Ideen schafft es InZoi im sogenannten Live-Modus bislang nicht, durchgängig zu überzeugen. Hier, wo sich der Alltag der Charaktere abspielt – mit Arbeiten, Essen, Schlafen und sozialen Aktivitäten – offenbart das Spiel Schwächen, die auf Dauer das Spielerlebnis trüben. Die Auswahl an Karrieren ist bislang sehr überschaubar. Zwar gibt es klassische Berufe wie Büroangestellter, Künstler oder Gastronom, doch die Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb dieser Berufszweige sind limitiert. Herausforderungen, Aufstiegschancen oder überraschende Wendungen im Berufsalltag fehlen weitgehend, was dazu führt, dass die Arbeitsroutine schnell monoton wirkt.
Auch im sozialen Bereich zeigt sich ein ähnliches Bild: Interaktionen zwischen den Sims wirken häufig oberflächlich und wiederholen sich nach kurzer Zeit. Ohne tiefere Gesprächsverläufe, Beziehungsdynamiken oder emotionale Entwicklungen verkommt das zwischenmenschliche Miteinander zu einem reinen Abarbeiten von Optionen – statt spannender Geschichten entstehen oft nur flache Begegnungen.
Alltagsaufgaben wie Kochen, Putzen, Duschen oder Schlafen sind zwar schön animiert, aber nicht ausreichend mit spielerischen Anreizen verknüpft. Ohne ein ausgeklügeltes Belohnungssystem oder besondere Effekte für gut geplante Tagesabläufe verkommt das tägliche Leben schnell zur lästigen Pflichtübung. Es fehlt an überraschenden Momenten, Zufallsereignissen oder bedeutungsvollen Herausforderungen, die den Alltag abwechslungsreicher und lohnenswerter gestalten könnten.
Unterm Strich bleibt InZoi im Live-Modus weit hinter seinen gestalterischen Möglichkeiten zurück. Ohne Erweiterungen, Updates oder tiefgreifende Mechaniken, die dem Alltag mehr Spieltiefe verleihen, droht das Spiel – trotz seiner grandiosen Technik und frischen Ideen – an genau dem Punkt zu scheitern, an dem es eigentlich am meisten überzeugen müsste: im echten Leben seiner Figuren.

Kreativität entfesseln – Chancen und technische Stolpersteine
Eines der herausragendsten und zugleich beliebtesten Features von InZoi ist zweifellos der umfangreiche Charaktereditor, der es Spielern ermöglicht, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Schon beim ersten Öffnen dieses Tools wird deutlich, wie viel Liebe zum Detail in dessen Gestaltung geflossen ist. Mit Hunderten von Anpassungsoptionen lässt sich nahezu jeder Aspekt eines Charakters individuell formen. Gesichtszüge können millimetergenau angepasst werden – von der Nasenform über die Augenstellung bis hin zur Lippenfülle. Auch der Körperbau ist in seiner Vielfalt beeindruckend, inklusive der Möglichkeit, Proportionen, Muskeldefinition und Haltung fein abzustimmen.
Darüber hinaus bietet der Editor eine riesige Auswahl an Frisuren, Hauttönen, Make-up, Tattoos, Kleidung und Accessoires – bis hin zu modischen Details wie Nagellack oder individuell gestaltbaren Schuhen. Dieses Maß an Personalisierung geht weit über das hinaus, was Genre-Konkurrenten bislang bieten. Besonders erwähnenswert ist auch die Einbindung kultureller Vielfalt: Kleidung, Frisuren und Accessoires aus verschiedenen Teilen der Welt sind integriert, wodurch sich die Avatare authentisch und inklusiv gestalten lassen.
Ein echtes Highlight stellt die KI-gestützte Foto-Importfunktion dar. Spieler können eigene Porträtfotos hochladen, die mithilfe einer fortschrittlichen Bildanalyse in erstaunlich realitätsnahe 3D-Modelle umgewandelt werden. Ob man nun sein digitales Alter Ego erstellen möchte oder eine fiktive Figur zum Leben erweckt – die Präzision und der Grad an Ähnlichkeit sind beeindruckend und eröffnen völlig neue kreative Möglichkeiten.
Für noch mehr kreative Entfaltung sorgt die hauseigene Plattform namens „Canvas“, auf der Nutzer ihre Charaktere, Outfits und sogar komplette Stilpakete mit der Community teilen können. Dieses System erinnert an eine Mischung aus Modding-Hub und sozialem Netzwerk und fördert den Austausch, die Inspiration und die kollektive Weiterentwicklung der Spielwelt. Wer möchte, kann hier auch die Kreationen anderer herunterladen, bewerten oder weiterbearbeiten – ein Ökosystem, das ganz auf Kreativität und Community setzt.
So beeindruckend der Charaktereditor und die kreativen Möglichkeiten auch sind – InZoi kämpft aktuell noch mit deutlichen technischen Schwächen, die den Spielfluss und die Immersion erheblich beeinträchtigen. Besonders im Early Access zeigt sich, dass die technische Umsetzung vieler Features noch nicht ausgereift ist.
Ein häufiges Ärgernis sind Bugs im Alltagsspiel, die von kleinen Grafikfehlern bis hin zu gravierenden Spielmechanik-Problemen reichen. Charaktere bleiben mitunter in Möbeln oder Wänden stecken, Interaktionen brechen plötzlich ab oder Objekte verschwinden ohne Erklärung. Die KI der NPCs zeigt sich ebenfalls oft von ihrer weniger intelligenten Seite – etwa wenn Figuren ziellos umherlaufen, geplante Handlungen abbrechen oder sich in absurden Endlosschleifen verlieren.
In stark belebten Szenen wie Stadtfesten oder beim Besuch öffentlicher Plätze kommt es zudem regelmäßig zu merklichen Performance-Einbrüchen. Die Framerate sackt spürbar ab, Animationen wirken ruckelig und das Spiel reagiert mit Verzögerung auf Eingaben. In einigen Fällen stürzt InZoi sogar komplett ab – insbesondere dann, wenn viele Charaktere gleichzeitig interagieren oder umfangreiche Objekte geladen werden müssen. Zwar ist dies im Rahmen eines Early Access-Titels bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, dennoch trüben diese Probleme das ansonsten hochambitionierte Erlebnis erheblich.
Gerade weil InZoi grafisch und funktional so viel verspricht, wiegen diese Fehler umso schwerer. Sie machen deutlich, dass hinter der glänzenden Fassade noch viel Feinarbeit nötig ist, um die technische Stabilität auf das Niveau der gestalterischen Möglichkeiten zu bringen. Ohne gezielte Optimierungen und regelmäßige Patches könnte die anfängliche Begeisterung schnell in Frustration umschlagen – ein Risiko, das die Entwickler dringend ernst nehmen sollten.

Die offene Welt: Freiheit versus Leere
Einer der größten Stärken von InZoi liegt in der offenen, nahtlos begehbaren Spielwelt, die den Spieler nicht nur visuell, sondern auch atmosphärisch in ihren Bann zieht. Im Gegensatz zu Die Sims, das nach wie vor auf instanzierte Nachbarschaften mit Ladebildschirmen zwischen den Grundstücken setzt, verfolgt InZoi einen modernen Open-World-Ansatz. Hier existiert die Stadt als durchgängiger Raum, in dem der Übergang von einem Stadtviertel zum nächsten völlig ohne Unterbrechungen erfolgt. Dadurch entsteht ein starkes Gefühl von Präsenz, das man so in Lebenssimulationen bislang kaum erlebt hat.
Egal, ob man durch geschäftige Einkaufsstraßen flaniert, an kleinen Marktständen vorbeischlendert, in einem ruhigen Stadtpark die Enten beobachtet oder sich an einem malerischen Strand dem Meeresrauschen hingibt – jede Umgebung fühlt sich wie ein organischer Bestandteil eines größeren Ganzen an. Der Wechsel zwischen verschiedenen Szenerien erfolgt fließend, unterstützt durch dynamische Tag- und Nachtzyklen sowie realistische Wettereffekte, die das Stadtleben weiter vertiefen.
Ein besonderer Immersionsfaktor ergibt sich durch die Möglichkeit, selbst Fahrzeuge zu steuern. Statt auf Teleportationen oder Schnellreisefunktionen zurückzugreifen, können Spieler das Steuer selbst in die Hand nehmen und sich aktiv durch die Stadt bewegen. Dieses Gefühl der Mobilität, kombiniert mit frei erkundbaren Orten, vermittelt ein Maß an Freiheit, das im Genre der Lebenssimulationen bislang kaum erreicht wurde. Man fühlt sich nicht nur wie ein Zuschauer – man ist Teil der Stadt, ihrer Dynamik und ihres Tempos.
Trotz der eindrucksvollen Kulisse gelingt es InZoi jedoch nicht immer, die Welt mit dem nötigen Leben zu füllen. So stimmig und visuell reizvoll viele Orte auch gestaltet sind – es fehlt oft an Aktivitäten, Interaktionsmöglichkeiten und spontanen Ereignissen, die dem Ganzen Tiefe und Authentizität verleihen würden. Viele Locations, etwa Cafés, Läden oder Freizeitparks, wirken wie schön dekorierte Kulissen, denen jedoch die funktionale Substanz fehlt. Man betritt sie – doch es passiert zu wenig.
Auch im sozialen Kontext bleibt die Welt bislang überraschend statisch. Spontane Begegnungen, interessante Zufallsevents oder dynamische Stadtgeschehnisse – Dinge, die eine Spielwelt glaubhaft und lebendig wirken lassen – sind bislang nur rudimentär oder gar nicht vorhanden. Stattdessen verlaufen viele Tagesabläufe der NPCs routiniert und repetitiv, ohne spürbare Wechselwirkungen mit dem Spieler oder untereinander.
Im direkten Vergleich zu Die Sims 4, das über Jahre hinweg mit unzähligen Erweiterungen, Features und Community-Mods eine reichhaltige Welt voller Möglichkeiten geschaffen hat, wirkt InZoi momentan eher wie ein ambitioniertes Grundgerüst. Es fehlt an „Content“, der die beeindruckende visuelle Bühne auch mit spielerischem Leben füllt. Ohne ein starkes Fundament an Aktivitäten, Nebenaufgaben und dynamischen Erlebnissen bleibt die offene Welt – trotz ihrer technischen Brillanz – weit hinter ihrem eigentlichen Potenzial zurück.
Diese Diskrepanz zwischen Ästhetik und Inhalt führt dazu, dass das Eintauchen in die Welt oft an der Oberfläche bleibt. Was auf den ersten Blick wie ein urbaner Spielplatz wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung zu häufig als leere Kulisse. Für ein langfristig motivierendes Spielerlebnis braucht InZoi hier dringend nachgelagerte Inhalte, Events und Mechaniken, die die wunderschöne Welt auch mit Leben füllen.

Entwickler-Engagement und Zukunftsperspektiven
Krafton zeigt mit InZoi, dass sie nicht nur ein ambitioniertes Spiel entwickeln, sondern dabei auch aktiv den Dialog mit der Community suchen und pflegen. Schon in der frühen Entwicklungsphase haben die Entwickler auf Feedback reagiert und bewiesen, dass sie bereit sind, zentrale Entscheidungen zu überdenken. Ein besonders deutliches Beispiel ist der Verzicht auf Denuvo, ein Kopierschutzsystem, das ursprünglich integriert werden sollte. Nachdem zahlreiche Spieler Bedenken hinsichtlich Performance-Einbußen, potenzieller Systembelastung und Einschränkungen beim Modding äußerten, wurde der umstrittene Schutzmechanismus kurzerhand gestrichen – ein Schritt, der in der Community auf breite Zustimmung stieß und das Vertrauen in das Entwicklerteam stärkte.
Darüber hinaus verfolgt Krafton eine transparente Entwicklungsstrategie, die sich in der öffentlich einsehbaren Roadmap für den Early Access widerspiegelt. Geplante Inhalte umfassen unter anderem ein detailliertes Adoptionssystem, mit dem familiäre Beziehungen noch realistischer und emotionaler gestaltet werden können, sowie neue Karrierepfade, die mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag der Charaktere bringen sollen. Auch moddingfreundliche Werkzeuge stehen auf dem Plan – eine klare Einladung an kreative Spieler, selbst Inhalte beizusteuern und die Welt von InZoi aktiv mitzugestalten.
Besonders bemerkenswert ist die langfristige Perspektive, mit der das Projekt angelegt ist: Die Entwickler sprechen offen von einer Vision, die sich über bis zu 20 Jahre erstrecken könnte – ähnlich wie bei Titeln wie Die Sims oder Cities: Skylines, die über Jahre hinweg durch kontinuierliche Erweiterungen gewachsen sind. Dieser Weitblick vermittelt das Gefühl, Teil eines wachsenden Ökosystems zu sein, an dem sich Spieler auch langfristig beteiligen können. Es ist ein Zeichen dafür, dass hier nicht nur ein Spiel, sondern eine Plattform entstehen soll, die sich ständig weiterentwickelt.
So vielversprechend diese offene Entwicklungsstrategie auch ist – aktuell bleibt InZoi dennoch ein Produkt im frühen, unfertigen Zustand, dessen Ambitionen nicht immer mit dem tatsächlichen Inhalt mithalten können. Während die visuelle Darstellung und der kreative Charaktereditor bereits jetzt beeindrucken, zeigt sich in den Bereichen Gameplay, Spieltiefe und technische Stabilität noch erheblicher Nachholbedarf.
Spielmechaniken wirken oftmals unausgereift oder sind nur in Ansätzen vorhanden. Die angedeutete Offenheit der Welt verliert schnell an Reiz, wenn es an sinnvollen Beschäftigungen, dynamischen Ereignissen oder emotional bedeutsamen Interaktionen mangelt. Auch im Bereich der Stabilität kämpfen viele Nutzer mit Bugs, Abstürzen und Performance-Problemen – Punkte, die das Spielerlebnis insbesondere auf mittelmäßiger Hardware stark beeinträchtigen können.
In diesem Kontext erscheint der aktuell angesetzte Preis von rund 40 Euro für viele potenzielle Käufer als kritisch. Zwar bekommt man dafür einen ersten Eindruck von dem, was InZoi langfristig werden soll – doch gegenwärtig fühlt sich das Spiel stellenweise mehr wie eine beeindruckende technologische Demo an als wie eine inhaltlich runde Lebenssimulation. Die kreative Freiheit ist bereits erlebbar, doch echte Spieltiefe und Langzeitmotivation fehlen (noch) spürbar.
Wer in InZoi investiert, tut dies daher weniger für das, was das Spiel heute bietet, sondern vielmehr für das Versprechen einer visionären Zukunft. Es ist eine Wette auf das Potenzial – mit der Hoffnung, dass die Entwickler ihre ehrgeizige Roadmap tatsächlich einlösen und aus dem beeindruckenden Fundament ein ebenso starkes Spielerlebnis formen.

Fazit
InZoi ist ein mutiger und visionärer Vorstoß in ein Genre, das lange Zeit von etablierten Konzepten geprägt wurde. Mit fotorealistischer Grafik, einem beeindruckend detaillierten Charaktereditor und innovativen Mechaniken wie dem Karma-System sowie einer nahtlos begeh- und befahrbaren Stadt bietet das Spiel einen faszinierenden Ausblick auf das, was Lebenssimulationen künftig sein könnten. Kraftons offener Dialog mit der Community und die langfristige Roadmap sind vielversprechende Zeichen für eine stetige Weiterentwicklung.
Doch hinter der glänzenden Fassade offenbaren sich noch deutliche Schwächen: Der Live-Modus wirkt derzeit inhaltlich dünn, viele Bereiche der Spielwelt bleiben trotz ihrer visuellen Reize leer und wenig interaktiv, und technische Probleme sowie hohe Systemanforderungen erschweren den Einstieg zusätzlich. Während Die Sims 4 mit stabiler Performance, reichhaltigen Inhalten und charmantem Humor punktet, richtet sich InZoi aktuell vor allem an experimentierfreudige Spieler, die bereit sind, ein unfertiges, aber ambitioniertes Projekt zu begleiten.
InZoi ist in seinem derzeitigen Zustand besonders für Spielerinnen und Spieler geeignet, die Wert auf kreative Freiheit und technische Innovation legen – und die notwendige Hardware mitbringen. Wer Freude daran hat, sich aktiv in einen Entwicklungsprozess einzubringen und das Wachstum eines vielversprechenden Projekts mitzuerleben, wird hier bereits fündig. Wer hingegen ein ausgereiftes, abwechslungsreiches und sofort rundes Spielerlebnis sucht, sollte dem Titel noch etwas Reifezeit geben – das große Potenzial liegt eindeutig in der Zukunft.
Positive Punkte
- Atemberaubende, fotorealistische Grafik
- Umfangreicher und innovativer Charaktereditor
- Kreative Gameplay-Mechaniken, z. B. das Karma-System
- Nahtlose, offene Welt mit immersiven Erkundungsmöglichkeiten
- Engagierte Entwickler und regelmäßige Updates
Negative Punkte
- Flacher Live-Modus mit wenig abwechslungsreichen Berufen
- Häufige technische Probleme und Bugs
- Hohe Systemanforderungen, die viele Spieler ausschließen
- Fehlende Aktivitäten und spontane Interaktionen in der Spielwelt
- Unfertiger Zustand und mangelnde inhaltliche Tiefe
InZoi: – – Lars Endemann
Release:
27.03.2025 – Early Access
Publisher & Entwickler:
KRAFTON
Plattformen:
PC (PS5 und Xbox Version noch nicht Verfügbar)


