Nach den saftigen Preiserhöhungen im aktuellen Konsolen-Lineup und dem jüngsten Schock rund um die PlayStation 5 Pro zittern viele Gamer bereits vor der nächsten Generation. Ein PlayStation 6 Preis jenseits der 1.000-Dollar-Marke? In den Kommentarspalten wird dieses Schreckensszenario längst als unausweichliche Realität diskutiert. Doch bevor wir anfangen, unsere Ersparnisse für die Next-Gen zu plündern, streut ein überaus verlässlicher Hardware-Insider nun einen unerwarteten Funken Hoffnung. Ein Preisschild von 699 US-Dollar soll für Sonys künftiges Flaggschiff durchaus noch im Rahmen des Möglichen liegen. Allerdings ist diese Zahl an Bedingungen geknüpft, die das PlayStation-Hauptquartier vor eine gewaltige strategische Zerreißprobe stellen.
Um zu verstehen, woher die düsteren Preisprognosen kommen, müssen wir einen Blick unter die Haube werfen. Der bekannte AMD-Leaker KeplerL2, der in der Szene für seine oft verblüffend präzisen Vorabinformationen geschätzt wird, hat sich im NeoGAF-Forum zu Wort gemeldet. Er spricht von der sogenannten BOM (Bill of Materials). Das ist schnöder Branchenjargon für die reinen Material- und Herstellungskosten einer Konsole, noch bevor auch nur ein einziger Cent in Marketing, weltweite Logistik oder die Softwareentwicklung geflossen ist.
Aktuell taxiert der Insider diese reinen Stückkosten für die kommende Sony-Hardware auf rund 760 US-Dollar. Auf die Frage der Community, wie sich diese immense Summe zusammensetzt, lieferte er prompt Details: Das Herzstück soll unter anderem eine extrem schnelle 1TB Gen5 SSD sein, während ein physisches Disc-Laufwerk in dieser Rechnung komplett fehlt – die Zeichen stehen hier offenbar endgültig auf Digital-Only. Zwar spart das Weglassen des Laufwerks ein paar Dollar, doch die pfeilschnellen Gen5-Speicherbausteine, die Ladezeiten praktisch auslöschen und gigantische Spielwelten nahtlos streamen sollen, sind auf dem aktuellen Markt sündhaft teuer. Ein Phänomen, das wir bereits bei der PS5 Pro beobachten konnten, deren üppiger 2TB-Speicher den Verkaufspreis massiv in die Höhe getrieben hat.
Wenn die bloßen Bauteile also schon bei 760 Dollar liegen, wie kommen wir dann auf einen PlayStation 6 Preis von 699 Dollar im Handel? Die Antwort lautet: Subventionen. In der Gaming-Branche war es jahrzehntelang völlig normal, dass Hardware-Hersteller ihre neuen Konsolen anfangs mit teils herben Verlusten in die Regale stellten. Die rote Tönung in den Bilanzen holte man sich anschließend über die hochmargigen Spieleverkäufe und lukrative Abo-Dienste wie PlayStation Plus wieder rein.
Genau hier wirft KeplerL2 jedoch eine schmerzhafte Beobachtung in den Raum: Wird Sony dieses finanzielle Opfer in der nächsten Generation überhaupt noch bringen wollen? Die bittere Wahrheit für uns Konsumenten ist, dass der Druck aus dem Hause Microsoft spürbar nachlässt. Mit dem kommenden Xbox-Projekt “Helix” scheint die Redmonder Konkurrenz eine völlig andere Marktstrategie und eine abweichende Zielgruppe anzupeilen. Wenn Sony im Segment der klassischen High-End-Konsolen demnächst de facto ohne direkten Gegenspieler dasteht, gibt es aus rein wirtschaftlicher Sicht absolut keinen Grund mehr, Hunderte Millionen in die Subventionierung der Hardware zu pumpen. Ohne den heißen Atem der Xbox im Nacken schwindet die Notwendigkeit für Kampempreise gewaltig.
Selbst wenn Sony den Gürtel extrem eng schnallt und den Preis irgendwie unter die magische 700-Dollar-Grenze drückt, braut sich bereits der nächste Sturm zusammen. Die Marktsituation ist heute weitaus unberechenbarer als noch zum Launch der PlayStation 5. Horrende Preise für RAM und SSD-Speicher treffen auf eine global angespannte Wirtschaftslage der Käuferschaft.
Matthew Cassells, der Gründer des Entwicklerstudios Alderon Games, warnt in diesem Zusammenhang vor einer regelrechten Kettenreaktion. Ein hoher Einstiegspreis für die PS6 bedeutet unweigerlich, dass die Masse der Spieler extrem zögerlich wechseln wird. Wer sich gerade erst für 800 Euro eine PlayStation 5 Pro ins Wohnzimmer gestellt hat, wird nicht sofort beim nächsten Upgrade-Zyklus zuschlagen. Das unausweichliche Resultat wäre eine quälend lange Übergangsphase. Entwickler wären gezwungen, ihre neuen Blockbuster über Jahre hinweg so zu programmieren, dass sie auch auf der massiv verbreiteten, aber dann völlig veralteten PlayStation 5-Hardware flüssig laufen. Das revolutionäre grafische und spielerische Potenzial der PlayStation 6 würde in diesem Szenario durch die technischen Limitierungen der Vorgängerkonsole gnadenlos ausgebremst.


