Erinnert ihr euch noch an den beeindruckenden Trailer von Star Wars Eclipse auf den Game Awards 2021? Dieser cinematic Teaser hat uns damals alle komplett aus den Socken gehauen. Ein Star-Wars-Spiel von Quantic Dream? Endlich mal weg von den üblichen Jedi-Geschichten, hin zu etwas, das sich nach echter, interaktiver Storytelling-Magie anfühlt. Doch jetzt, fast fünf Jahre später, herrscht nicht etwa Vorfreude, sondern ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Die Nachrichten, die aus der Entwicklungsküche der französischen Schmiede dringen, klingen leider eher nach einem schleichenden Untergang als nach einer epischen Jedi-Saga.
Die Berichte von Insider-Gaming zeichnen ein erschreckendes Bild: Die Entwicklung von Star Wars Eclipse kommt seit Monaten kaum noch vom Fleck. Wenn man hört, dass ein Spiel, das schon so lange in Arbeit ist, laut Insider-Quellen noch „Jahre von der Fertigstellung entfernt“ ist, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken. Das ist kein „wir verfeinern nur noch das Gameplay“-Problem, das klingt verdammt stark nach einer verfahrenen Produktionshölle. Und hier kommt der wahre Plot-Twist, der eher an eine griechische Tragödie als an ein Weltraumabenteuer erinnert: Das finanzielle Schicksal von Eclipse hängt ausgerechnet von Spellcasters Chronicles ab.
Wer erinnert sich an Spellcasters Chronicles? Richtig, das Free-to-Play-Multiplayer-Projekt, von dem man das Gefühl hat, es wäre schon wieder vergessen, kaum dass es den Browser verlassen hat. Die Spielerzahlen auf Steam sind katastrophal – Spitzenwerte von unter 900 Spielern zum Start, aktuell dümpeln oft kaum mehr als 70 Leute in den Lobbys herum. Wenn die Zukunft von einem Blockbuster wie Star Wars Eclipse tatsächlich davon abhängt, dass ein schwächelndes Multiplayer-Spiel plötzlich zum Goldesel wird, dann können wir uns wohl schon langsam von den High-Republic-Träumen verabschieden. NetEase, das Mutterunternehmen, hat bereits bewiesen, dass sie wenig Geduld mit fremden Studios haben, wenn die Zahlen nicht stimmen. Die haben schon bei anderen Projekten den Stecker gezogen – warum sollte das bei Quantic Dream anders laufen?
Es ist frustrierend, weil wir das Potenzial von David Cages Team kennen. Sie können emotionale Geschichten erzählen, bei denen man mitfiebert. Doch wenn das Management sich übernimmt und man versucht, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, passiert genau das: Ressourcen werden zerrieben, der Fokus geht verloren, und am Ende bleibt nur ein unfertiger Scherbenhaufen übrig. Natürlich ist das alles noch „Gerüchteküche“, und Insider-Quellen können sich irren. Aber wenn man die Puzzleteile zusammenfügt – die Funkstille von offizieller Seite, die Probleme bei NetEase und das Flop-Potenzial von Spellcasters – dann ist die bittere Realität leider greifbarer als eine Macht-Vision von Luke Skywalker. Vielleicht bekommen wir das Spiel irgendwann. Vielleicht wird es aber auch nur eine weitere Fußnote in der Geschichte der „Spiele, die wir niemals spielen durften“. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Wind noch einmal dreht.


