Wer geglaubt hat, Mario würde nach seinem ersten Kino-Abenteuer langsam die Puste ausgehen, der hat sich gewaltig getäuscht. Mit dem Super Mario Galaxy Movie katapultieren Nintendo und Illumination den schnurrbärtigen Klempner direkt in die oberste Liga der Kinogeschichte. Ein Einspielergebnis von stolzen 131,7 Millionen Dollar in den ersten drei Tagen in den USA ist eine Ansage, die man erst einmal ignorieren muss. Insgesamt spülte das intergalaktische Abenteuer in der ersten Woche weltweit rund 372 Millionen Dollar in die Kassen. Damit ist der Film nicht nur ein finanzieller Volltreffer, sondern das bislang größte Kino-Debüt des Jahres in den Vereinigten Staaten. Es ist eine beeindruckende Bestätigung dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen der japanischen Spieleschmiede und dem Animationsstudio aus Frankreich alles andere als ein Zufallsprodukt war.
Interessant ist hierbei die Diskrepanz zwischen Kritikern und dem Publikum. Während sich die professionellen Film-Rezensenten auf Rotten Tomatoes mit einer Wertung von lediglich 42 Prozent schwertun, feiern die Fans den Streifen mit einem Audience Score von 89 Prozent. Das zeigt einmal mehr, dass die Fachwelt oft an den Bedürfnissen der echten Gamer vorbeischreibt. Die Zuschauer wollen keinen verkopften Arthouse-Film über einen Klempner, sie wollen epische Weltraum-Action, bekannte Melodien und ein Wiedersehen mit den Charakteren, die ihre Kindheit geprägt haben. Mit einem Cast, der von Chris Pratt bis hin zu Jack Black und einer überraschenden Gastrolle von Glen Powell als Fox McCloud reicht, wird das Universum zudem spürbar erweitert. Der Auftritt von Rosalina, gesprochen von Brie Larson, verleiht der Geschichte zudem eine Tiefe, die man so in den alten 8-Bit-Zeiten kaum für möglich gehalten hätte.
Jim Orr, der bei Universal für den Vertrieb zuständig ist, hat natürlich allen Grund zum Jubeln. Er spricht von einer außergewöhnlichen Partnerschaft, die Mario und seine Freunde wieder einmal an die Spitze der Nahrungskette gesetzt hat. Man darf auch die Leistung von Chris Meledandri nicht unterschätzen, der mit diesem Film seinen 16. Streifen in 16 Jahren abgeliefert hat – ein Pensum, das in Hollywood seinesgleichen sucht. Nintendo selbst hat mit zwei massiven Direct-Präsentationen im Vorfeld dafür gesorgt, dass kein Fan am Startwochenende an diesem Film vorbeikam. Dass der Vorgänger, der Super Mario Bros. Film, nur haarscharf geschlagen wurde, ist dabei nebensächlich. Die Nachricht ist klar: Die Videospiel-Adaption ist längst kein riskantes Nischenprodukt mehr, sondern ein Garant für klingelnde Kassen.
Der Blick in die Zukunft bleibt dabei mindestens genauso spannend wie das aktuelle Weltraum-Abenteuer. Während Mario noch fleißig durch die Galaxie hüpft, bereitet sich Nintendo bereits auf das nächste Großprojekt vor. Die lang erwartete Live-Action-Adaption von The Legend of Zelda unter der Regie von Wes Ball steht in den Startlöchern. Wenn man bedenkt, wie viel Liebe zum Detail in die Mario-Filme fließt, dürfen Fans von Link und Zelda jetzt schon vorsichtig optimistisch sein. Nintendo hat das Kino-Formel-Buch endgültig entschlüsselt und wir dürfen uns auf eine Ära freuen, in der unsere liebsten Konsolen-Helden die Leinwände dominieren. Es bleibt abzuwarten, ob Zelda den Erfolg von Mario toppen kann, doch der Weg ist geebnet. Nintendo hat bewiesen, dass sie ihre Marken nicht nur auf dem Controller, sondern auch auf der großen Leinwand beherrschen. Ein Ende der Fahnenstange ist jedenfalls nicht in Sicht.


