Der lang erwartete Watch Dogs Kinofilm rückt nach einer langen Phase der Entwicklungshölle endlich in greifbare Nähe. Ursprünglich bereits 2013 parallel zum Release des ersten Videospiels angekündigt, verschwand das Projekt über ein Jahrzehnt lang in der Versenkung, bevor es durch eine Kooperation zwischen Ubisoft, New Regency sowie Sony Pictures und Columbia Pictures neu belebt wurde. Aktuelle Aussagen des Hauptdarstellers Tom Blyth unterstreichen nun, dass die Produktion eine thematische Auseinandersetzung mit unserer heutigen, digitalen Gesellschaft anstrebt.
Für die Umsetzung des Drehbuchs zeichnen Christie LeBlanc (bekannt durch Oxygène) und Victoria Bata (Pitch Perfect 3, Fate: The Winx Saga) verantwortlich. Die Regie übernimmt Mathieu Turi, der bereits durch Projekte wie Meander und The Deep Dark Erfahrung im Genre-Kino sammeln konnte. Neben Tom Blyth, der durch seine Rolle in „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ bekannt wurde, umfasst der Cast Sophie Wilde (Talk to Me) und Markella Kavenagh, die bereits in der Amazon-Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ als Nori Brandyfoot überzeugte. Die Dreharbeiten wurden bereits vor über einem Jahr abgeschlossen.
In einem Interview mit Screen Rant äußerte sich Blyth optimistisch über die inhaltliche Ausrichtung des Films, der keine direkte Nacherzählung der Videospielvorlage darstellt, sondern eine eigenständige Geschichte innerhalb des Franchise erzählt. Der Schauspieler betonte dabei die gesellschaftskritische Komponente, die den Kern der Vorlage in ein modernes, filmisches Gewand kleidet:
Ich glaube, die Art und Weise, wie sie das Skript geschrieben haben… obwohl ich selbst kein großer Gamer bin, kannte ich die Spiele. Sie haben das Material genommen und es zu einer Geschichte über die Welt gemacht, in der wir heute leben. Ich sage das so: Der Film nimmt diese heutige Welt, die ein von Online-Strukturen geprägtes Umfeld ist, wirklich auseinander. Er zeigt die Gefahren auf, die entstehen, wenn alles miteinander vernetzt ist, so wie es auch in den Spielen thematisiert wird.
— Tom Blyth, Schauspieler
Trotz der Ambitionen hinter dem Watch Dogs Kinofilm bleibt die Zukunft der Marke unter dem Publisher Ubisoft ungewiss. Berichten zufolge betrachtet das Unternehmen das Franchise aktuell als „tote Marke“ (dead franchise), was die Produktion zu einem möglicherweise einmaligen Ausflug auf die große Leinwand macht, ohne dass kurzfristig neue Spielinhalte zu erwarten sind. Dies unterstreicht den analytischen Blick auf eine Marke, die zwar technologisch durch ihre Server-Architekturen und Web3-Anspielungen in der Vergangenheit Trendsetter war, heute jedoch finanziell und strategisch bei Ubisoft keine Priorität mehr genießt.
Der Watch Dogs Kinofilm stellt somit ein interessantes Experiment dar: Kann eine Marke, deren interaktive Wurzeln aktuell im Dornröschenschlaf liegen, durch eine filmische Neuinterpretation relevante gesellschaftliche Debatten über Datensicherheit und Vernetzung triggern? Die Antwort darauf hängt maßgeblich davon ab, ob die Produktion von Sony Pictures den Spagat zwischen Blockbuster-Unterhaltung und der dystopischen Ernsthaftigkeit der Vorlage erfolgreich bewältigt. Bleibt die Frage, ob das Publikum nach der langen Wartezeit und dem schwindenden Interesse an der Spielreihe überhaupt noch bereit ist, in das „ctOS“ der Kinoleinwand einzutauchen.


